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SV Rot-Weiss Viktoria Mitte 08 e.V.

Sportverein Berlin Mitte

Boom nach dem WM-Titel

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Fußball ist bei Kindern in Berlin noch beliebter geworden.

307 Jugendmannschaften mehr als in der vergangenen Saison.

Wenn Andreas Statkiewicz, Jugendleiter des FC Viktoria 1889, auf den Fußballplatz kommt, ist er umringt von Nationalspielern. Neuer, Götze, Schweinsteiger – die kleinen Kicker des Lichterfelder Vereins tragen die Trikots ihrer großen Vorbilder aus der Weltmeistermannschaft. Drei Monate ist es her, dass Deutschland im Endspiel der Fußball-WM in Brasilien mit 1:0 gegen Argentinien gewann und seinen vierten Titel holte. Ein Triumph, von dem auch der Berliner Fußball an der Basis profitiert. „Fußball ist bei den Kids gerade total angesagt“, sagt Andreas Statkiewicz. In den jüngeren Jahrgängen ist der Ansturm so groß, dass der Klub den Trainingsplatz inzwischen vierteln muss, damit alle Teams Platz finden.

Viktoria 1889 ist kein Einzelfall. Nach Angaben des Berliner Fußball-Verbands (BFV) wurden für die laufende Saison 2014/15 stadtweit 307 Jugendmannschaften mehr für den Spielbetrieb angemeldet als im Vorjahr, insgesamt sind es 2193 Teams. Vor allem bei den Sechs- bis 14-Jährigen scheint der Erfolg der Weltmeister bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben, dort verzeichnet der Verband den größten Zuwachs. Die meisten Mannschaften gibt es im Bezirk Pankow (260), die wenigsten Teams gibt es in Lichtenberg (110).

BFV-Präsident Bernd Schultz freut sich über die Entwicklung. „Es ist schön zu sehen, dass mehr Kinder und Jugendliche den Weg zum Fußballsport finden. Dieses ist sicherlich ein Verdienst der verschiedenen Fußballnationalmannschaften, die in diesem Sommer drei Erfolge gefeiert haben“, sagt er. Neben dem Nationalteam der Männer hatten 2014 auch die U19-Junioren (EM) und die U20-Juniorinnen (WM) internationale Turniere gewonnen. „Aber auch in den Berliner Vereinen wurden mit einem herausragenden Engagement erst die Rahmenbedingungen geschaffen, um die vielen neuen Kinder und Jugendlichen in die Vereine aufnehmen zu können“, so Schultz weiter.

Der SV Rot-Weiß Viktoria Mitte etwa, ein Verein an der Grenze von Wedding, Mitte und Prenzlauer Berg, hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, um ausreichend Übungsleiter für seine Nachwuchsmannschaften zu gewinnen. „Wir haben uns offensiv um Trainer bemüht und auch Spieler aus der A- und B-Jugend für dieses Amt gewinnen können“, sagt Jugendleiter Elias Bouziane. 35 Jugendteams schickt Rot-Weiß Viktoria Mitte in dieser Saison ins Rennen – damit ist der Klub nach Viktoria 1889 (46) und Hertha 03 Zehlendorf (40) aktuell die Nummer drei in Berlin. Allein bei den E-Junioren gibt es zehn Mannschaften. „Wir haben schon seit Längerem eine Warteliste“, berichtet Bouziane. Damit in Zukunft noch mehr Kinder mitspielen können, plant der Verein ein Minispielfeld – 30×15 Meter groß – auf dem Gelände einer benachbarten Schule, das vor allem den Bambini-Mannschaften zugute kommen soll.

„Die Kinder und Jugendlichen lernen beim Fußballspielen Fairplay, Respekt und Teamzusammenhalt. Für die Persönlichkeitsschulung leisten damit unsere Vereine einen enormen Beitrag für das gesellschaftliche Miteinander“, sagt BFV-Präsidialmitglied Andreas Kupper, der Vorsitzende des Jugendausschusses. Auch er sieht den deutschen WM-Sieg als Hauptgrund für den derzeitigen Boom, verschweigt aber nicht, dass auch die demographische Entwicklung ihr Übriges tut. „Berlin wächst jedes Jahr um 40.000 Menschen, da ist doch klar, dass darunter auch junge Fußballer sind.“ Elias Bouziane von Rot-Weiß Viktoria Mitte sieht das ähnlich: „Es gibt Bezirke in Berlin, die werden selbst dann weiter prosperieren, wenn Deutschland bei der nächsten WM noch nicht einmal dabei wäre.“

Von Philip Häfner / www.morgenpost.de